Juni 2020

Phanerochaete chrysosporium - Pilz kontra Übergewicht

Phanerochaete chrysosporium - Pilz kontra Übergewicht

Übergewicht ist in doppelter Hinsicht ein zunehmendes Problem der Industriegesellschaften. Fehlernährung und Bewegungsmangel sind dabei ohne Frage die entscheidenden, aber offensichtlich nicht die alleinigen Faktoren.
Besonders besorgniserregend ist die steigende Zahl übergewichtiger Kinder, die sich nicht nur durch die geänderten Lebensgewohnheiten erklären lässt. Möglicherweise nimmt hier eine weitere Zivilisationsfolge Einfluss: das in vielen alltäglichen Kunststoffgegenständen enthaltene Bisphenol A (BPA). Dessen östrogenähnliche Wirkung könnte schon bei Feten eine Fehlprogrammierung des Fettgewebes bewirken – dies vermuten zumindest amerikanische Wissenschaftler.

Jährlich werden weltweit etwa 3,7 Mio Tonnen BPA produziert. Die landen dann irgendwann mit dem Plastikschrott auf dem Müll und letztlich in der Umwelt - eine immense Altlast.
Bei deren Beseitigung könnte sich ein Pilz als hilfreich erweisen: Phanerochaete chrysosporium. Dieser Weißfäulepilz baut nicht nur sehr effektiv Lignin sondern auch Substanzen mit ähnlichen Substrukturen ab. Dazu zählen viele Umweltgifte wie Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Benzo(a)pyrene, Dioxine, Furane, Polychlorierte Biphenyle (PCB) und eben auch BPA. Allerdings ist dabei Geduld gefragt. Etwa ein Jahr erfordert der mikrobiologische BPA-Abbau. Das lässt sich sicherlich noch optimieren - auf dass nur der Pilz fett werde und nicht der Mensch ...

Quelle:
ARTHAM T, DOBLE M (2010): Biodegradation of Physicochemically treated Polycarbonate by Fungi. Biomacromolecules 11, 20-28
THIELEN R (1996): Anzucht und Einsatz von Phanerochaete chrysosporium (Weißfäulepilz) – Abbau von Abwasserinhaltsstoffen. UWSF - Z. Umweltchem. Ökottox. 8 (1), 16-22

Bildquelle:
THIELEN R (1996): Anzucht und Einsatz von Phanerochaete chrysosporium (Weißfäulepilz) – Abbau von Abwasserinhaltsstoffen. UWSF - Z. Umweltchem. Ökottox. 8 (1), 16-22