Januar 2017

Gibberella zeae - der Bio-Böller

Gibberella zeae Bakterien, via Wikimedia Commons

Für viele ist der Jahreswechsel willkommener Anlass, sich mit diversen Knall- und Flugkörpern zu munitionieren, um das neue Jahr möglichst lautstark zu begrüßen. Wem die alljährliche Zündelei und Knallerei zuwider ist, der sei auf eine biologische Alternative hingewiesen: den Schimmelpilz Gibberella zeae. Bei diesem Getreideschädling handelt es sich offensichtlich um den stärksten Bio-Böller der Erde. Das ergaben Untersuchungen amerikanischer Bioballistiker. Immerhin mit 870.000facher (!) Erdbeschleunigung schießt Gibberella zeae seine Sporen aus dem Fruchtkörper.

Damit übertrifft er den bisherigen Rekordhalter Pilobolus, einen Schimmelpilz mit der absonderlichen Vorliebe für Rinderdung, um das 100fache. Letztlich erreichen die Sporen Geschwindigkeiten von bis zu 130 km/h (!). Treibende Kraft ist ein enormer osmotischer Druck, den der Pilz im Fruchtkörper aufbaut. Doch keine Angst. Die Sporen sind nur wenige µm groß. Da sind wir allerdings auch gleich bei den Nachteilen des Bio-Knallkörpers: Ohne Mikroskop ist leider nicht viel zu sehen. Und wer auf ein eindrucksvolles Farben- und Lichtspiel Wert legt, der wird leider enttäuscht. Dafür ist aber ein geruhsamer Jahresabschluss garantiert. Und: Gibt es wohl (zumindest für den Mikrobiologen) etwas Schöneres, als in stiller Zwiesprache mit Mikroorganismen den Jahreswechsel zu begehen ...?

Quelle: F. TRAIL, I. GAFFOOR, S. VOGEL, "Ejection mechanics and trajectory of the ascospores of Gibberella zeae (anamorph Fusarium graminearum)." Fungal Genet. Biol. 42, 528-533 (2005)