Hormonhaushalt

Was sind Hormone?

Hormone sind Botenstoffe, die im Körper der Regulation von Stoffwechselvorgängen dienen. Die Produktion der sogenannten Steroidhormone findet überwiegend in den Geschlechtsdrüsen (Gonaden) und der Nebennierenrinde statt. Übergeordnete Schaltzentren wie der Hypothalamus und die Hypophyse sitzen im Gehirn und regulieren die hormonproduzierenden Drüsen durch die Ausschüttung von Steuerhormonen. Dabei erhöht ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) die Produktion von DHEA (Dehydroepiandrosteron) und Cortisol an der Nebennierenrinde. FSH (Follikel-stimulierendes Hormon) und LH (Luteinisierendes Hormon) regulieren die Gonaden und damit die Synthese der Sexualhormone Testosteron, Progesteron und der Östrogene.

Cortisol – das „Stresshormon“

Cortisol kommt vielen Allergikern bekannt vor. Normalerweise steht Cortisol in Zusammenhang mit Stress. Es lässt uns den Alltag bewältigen und steigert unsere Handlungsfähigkeit bei stressigen Situationen. Früher bedeutete Stress eher Gefahr und in Folge dessen ermöglichte das Hormon eine schnelle Flucht und dadurch auch das Überleben. Cortisol erhöht dafür den Blutdruck, baut Glykogen in schnelle Energie um, erweitert die Blutgefäße und verlangsamt die Verdauung.

Cortison als Antiallergikum

Doch Cortisol ist nicht nur unser Stresshormon. Es hat auch entzündungshemmende Eigenschaften und unterdrückt immunologische Prozesse wie z. B. allergische Reaktionen. Deshalb wird Cortisol (Hydrocortison) bzw. Cortison (oxidierte Form des Cortisols) bei Allergikern als klassische Akutmaßnahme eingesetzt. Auch synthetische Cortisol-Verwandte wie das Prednison oder Prednisolon werden gerne verschrieben. Sie wirken stärker als Cortisol, da sie länger und fester an die Rezeptoren binden. All diese Stoffe werden zu den sogenannten Glucocorticoiden gezählt.

Probleme bei langfristiger Gabe

Wird Cortison oder eines der synthetischen Glucocorticoide als Medikament über einen längeren Zeitraum angewendet, können jedoch Probleme auftauchen. Durch die Hemmung der Körperabwehr steigt die Infektionsgefahr. Oft nutzen beispielsweise Pilze wie Hefen der Gattung Candida diese Situation. Bei einer längerfristigen lokalen Anwendung droht zudem ein Verlust der Hautdicke – die Haut wird sehr dünn und wirkt Pergamentpapier-ähnlich.

Darüber hinaus wirken die Glucocorticoide nicht nur lokal, egal ob sie äußerlich oder innerlich eingesetzt werden. Die Wirkstoffe gelangen zum Teil in den Blutkreislauf und erhöhen die Glucocorticoidkonzentration im Körper. Dessen hormonelle Steuerzentren im Gehirn (Hypothalamus, Hypophyse) reagieren darauf mit einer Drosselung der eigenen Steuerhormone. Dies führt zu einer verminderten Hormonneubildung in der Nebennierenrinde. Davon ist dann nicht nur das körpereigene Cortisol betroffen, sondern auch das DHEA.

DHEA – Cortisol-Gegenspieler

DHEA wird als positiver Gegenspieler zum Cortisol gesehen und nimmt vor allem bei der Funktion unseres Immunsystems eine zentrale Rolle ein. Laut aktueller Studienlage scheint DHEA auch eine wichtige Bedeutung bei atopischen Erkrankungen zu spielen.

Kommt es durch Glukokortikoid-Gaben zu einer Hemmung der DHEA- und Cortisolproduktion, stehen diese Hormone auch für weitere wichtige Funktionen wie z. B. für eine adäquate Stressantwort, Regulation des Blutzuckerspiegels, des Blutdrucks, des Wasser- und Elektrolythaushalts im Körper nur noch eingeschränkt zur Verfügung.

Geschlechtshormone

Die längerfristige Gabe von Cortisol-Abkömmlingen hat allerdings nicht nur Auswirkungen auf die Nebennierenrinde. Da die übergeordneten Steuerzentren beteiligt sind, wird auch die Synthese anderer Hormone, wie 17ß-Östradiol, Progesteron und Testosteron beeinflusst. Als so genannte Geschlechtshormone sind sie entscheidend für die Ausprägung weiblicher und männlicher Geschlechtsmerkmale. Doch ihre Funktion geht weit darüber hinaus. Sie haben Einfluss auf das Knochenwachstum, den Stoffwechsel, die Psyche und natürlich auch auf die Haut.

Testosteron

Testosteron beeinflusst den Kollagenaufbau, die Talgproduktion und das Haarwachstum. Eine verminderte Testosteronkonzentration kann sich in einer Bindegewebsschwäche, Krampfadern oder einer trockenen und damit gereizten Haut äußern. Zu viel Testosteron lässt dagegen die Talgproduktion ansteigen und die Haut fettig aussehen. Unreine Haut, Haarfollikelentzündungen oder Ausbildung einer Akne vulgaris können die Folge sein. Auch ein ungewollter Bartwuchs der Damen im Gesicht oder Ausfall des Haupthaares kann auf einen Testosteronüberschuss hindeuten.

Östradiol

17ß-Östradiol fördert die Pigmentierung der Haut. Es ist für die Wasserspeicherung im Gewebe verantwortlich und hält damit unsere Haut geschmeidig. Darüber hinaus stimuliert 17ß-Östradiol wie auch Testosteron die Kollagensynthese, was unser Bindegewebe stärkt. Gleichzeitig zeigt 17ß-Östradiol eine antioxidative Wirkung und schützt uns damit vor freien Radikalen. Ein Mangel dieses Östrogens geht einher mit trockener Haut, Bindegewebsschwäche und verstärkter Faltenbildung.

Progesteron

Neben Testosteron und 17ß-Östradiol hat auch ein ausreichender Progesteronspiegel Auswirkungen auf unser Äußeres. Es hemmt den Kollagenabbau, wobei Progesteron zu einem gesunden und frischen Aussehen von Haut und Haar beiträgt. Ein Progesteronmangel kann zu verstärkter Faltenbildung, Haarausfall oder stumpfem und trockenem Haar sowie trockener Haut führen.

Viele Ursachen für Hormonstörungen

Störungen des Hormonsystems werden aber natürlich nicht nur durch den Einsatz von Cortison oder verwandten Wirkstoffen hervorgerufen. Auch Menschen ohne entsprechende Therapien können hormonelle Veränderungen aufweisen. Denn es existieren viele weitere potenzielle Störfaktoren. Besonders hervorzuheben ist die Einnahme der Antibabypille. Auch die Verwendung von Anabolika bei Hobbysportlern, v. a. im Kraftsportbereich ist nicht zu unterschätzen.

Letztlich sind wir alle davon betroffen. Denn Hormone sind in Lebensmitteln, Trinkwasser, Kosmetika usw. zu finden. So führen wir uns tagtäglich eine ungewollte Hormondosis zu. Dazu kommen noch Xenohormone, also Substanzen mit hormoneller Wirkung. Die sind aus unserem Leben fast nicht mehr wegzudenken, denn sie finden sich in Kosmetika, Putz- und Waschmittel, Weichmachern, Lösungsmitteln, Farben, Einrichtungsgegenständen, Pestiziden und vielem mehr. Das Ziel ganzheitlicher Behandlungsansätze ist es, möglichst viele dieser Störfaktoren ausfindig zu machen und diese zu eliminieren. Dabei stehen unsere Lebensgewohnheiten, unser Hormonsystem aber auch der Darm im Fokus.

Wichtig: der Darm

Der Darm als größte Kontaktfläche zur Umwelt beheimatet nämlich 70 % unseres Immunsystems. Dessen Funktionsfähigkeit wird durch eine gesunde Darmflora sichergestellt. Die fungiert als Immuntrainer und -modulator. Das heißt die Darmmikroben hemmen beispielsweise überschießende Abwehrreaktionen wie Allergien. Außerdem schützen sie die Darmschleimhaut vor Eindringlingen, Fremdkeimen und Schadstoffen. Ob die Darmflora intakt ist, lässt sich einfach durch eine nichtinvasive Stuhluntersuchung bei Enterosan® abklären. Gegebenenfalls kann dann der/die behandelnde Therapeut/in unter anderem mit probiotischen Maßnahmen solche Störungen behandeln. Dadurch ist es möglich, das Immunsystem wieder in die richtigen Bahnen zu lenken und überbordende Immunreaktionen zu beruhigen.

Hormonuntersuchung im Speichel

Die oben genannten Hormone lassen sich nicht nur im Blut, sondern auch im Speichel bestimmen. Der Vorteil gegenüber der Untersuchung im Blut liegt dabei nicht nur in der schmerzlosen Probengewinnung. Im Blut werden auch gebundene, biologisch inaktive Hormone gemessen. Im Gegensatz dazu sind im Speichel nur die freien und biologisch wirksamen Steroidhormone zu finden. Nähere Informationen zur Speicheldiagnostik finden Sie hier.